Im Gespräch mit . . .

 

Nils Oetterer

 

   

 

 

„Diese letzten Tage so angenehm wie möglich gestalten, das ist das einzige Ziel.“

 

Der Architekt Nils Oetterer aus Werl entwirft das stationäre Hospiz für den Kreis Soest. Das Büro Oetterer hat bereits viel Erfahrung damit, eine gute Wohn-Atmosphäre mit Funktionalität in der Pflege zu vereinbaren – zum Beispiel durch den Umbau des Bettengebäudes des Dreifaltigkeitshospitals in Lippstadt und der Modernisierung des Perthes-Zentrums im Soester Norden. Mit viel Einfühlungsvermögen stellte sich Nils Oetterer seinem ersten Hospiz-Bau.

 

Herr Oetterer, mit Ihrem Büro bauen Sie alles - Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Wohnhäuser. Aber das Hospiz für den Kreis Soest ist auch für Sie Neuland. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Nach den ersten Gesprächen Anfang 2014 war schnell klar, dass wir gemeinsam mit der Geschäftsführung und Fachkräften aus der Pflege und der Bauplanung Hospize besichtigen würden. Aus Architektursicht ging es mir nicht anders, als anderen, die noch keinen Kontakt mit Hospiz hatten. Man weiß zwar baulich Bescheid, aber man hat Respekt. Ich wusste nicht welche Atmosphäre mich erwartet. Ich habe aber sofort gesagt, das möchte ich machen. Hier ist der besondere Reiz, dass das Gebäude Empfindungen wecken wird – und befriedigen soll. Das ist eine tolle Aufgabe.

 

Und wie haben Sie ihre ersten Besuche in stationären Hospizen empfunden?

Wir waren total begeistert. Überall haben wir eine absolut positive Atmosphäre erlebt, Gäste und Mitarbeiter strahlen so etwas Positives aus. Allen ist bewusst, es ist nur eine begrenzte Zeit. Alle haben nur ein Ziel, das spürt man: dass die Menschen, die dort aus dem Leben scheiden, es so angenehm wie möglich haben. Das ist das einzige Ziel. Darum haben wir dieses Gebäude entwickelt.

 

Gab es Vorgaben für den Bau des Hospizes?

Das Grundstück stand ja schon fest. Wir haben uns die Vorgaben an das Gebäude selber gemacht, weil wir uns Aufgaben gestellt haben. Was wünschen sich die Gäste? Welche Bedürfnisse haben sie, was brauchen sie? Aber auch was braucht die Pflege für optimale Abläufe?

 

Welche Ideen haben Sie im Gebäude umgesetzt?

Nach den Besichtigungen war klar, dass es eine eingeschossige Bauweise wird. Das optimiert die Pflegeabläufe und ermöglicht vor jedem Bewohner-Zimmer eine Terrasse. Wichtig waren uns auch verschiedene Rückzugsmöglichkeiten und Gemeinschaftsräume. Das Gebäude ist in drei Bereiche geteilt: Der Eingangsbereich mit Raum der Stille und einem offenen Innenhof mit einem großen Baum und dem Zimmertrakt, der um den geschlossenen Innenhof gruppiert ist. Der Funktionstrakt mit Büros schirmt das ganze Gebäude etwas ab. Die Idee mit dem Innenhof haben wir zum Beispiel im Lukas-Hospiz in Herne gesehen. Während unseres Besuches haben sich Angehörige, die zwei oder drei Stunden vorher ihren Angehörigen verloren hatten, dort draußen getroffen und nochmal gesprochen. In so einer Situation geht man nicht in die Cafeteria oder nach draußen auf den Präsentierteller. Da ist der Innenhof perfekt. Über die Dachform haben wir lange diskutiert. Wir haben dann mit dem Satteldach eine Dachform gewählt, die traditionell für diese Gegend hier ist. Der Anblick ist für unsere Gäste vertraut, wir wollen nicht, dass sich jemand fremd fühlt.

 

Es gibt auch eine Kinderspielecke.

Ja. In den Hospizen haben wir erlebt, dass die Auseinandersetzung mit dem Gebäude und dem, was dort passiert, den Kindern durchaus zugemutet wird. Die Atmosphäre ist definitiv nicht schädlich, im Gegenteil. Es wird so normal mit dem Sterben umgegangen, dass die Kinder das nicht als befremdlich oder störend empfinden.

 

Wie haben Sie die Hospiz-Zimmer konzeptioniert?

Wir haben mit dem großen Grundstück viel Fläche für unsere Gäste zur Verfügung. Darum konnten wir großzügige Zimmer mit viel Atmosphäre planen. In den verschiedenen Einrichtungen wurden wir immer wieder darauf hingewiesen, dass natürliche Materialien unheimlich gut angenommen werden. Darum legen wir viel Wert auf echte Materialien, Tageslicht und Luft. Wir möchten viel Bewegungsfreiheit und Selbstständigkeit ermöglichen. Es gibt drei Bettpositionen im Zimmer und man kann mit dem Bett im ganzen Haus und auch nach draußen bewegen werden. Das Dach steht etwas vor, so kommt genug Licht in die Zimmer und es ist gleichzeitig ein Sitzen oder Liegen mit dem Kopf im Freien geschützt durch das Dach möglich. Die Zimmer haben eine Deckenhöhe von 3 Metern, was wir mit einem kleinen Trick durch das überstehende Dach erreichen konnten. Das gibt Luft zum Atmen. Im Zimmer hat ein Fenster eine tiefe Brüstung zum Rausschauen im Liegen, die Brüstung bietet aber auch Platz für Deko. Viel Ablagefläche für persönliche Dinge in den Zimmern ist ohnehin ganz wichtig, zum Beispiel auf dem Wandelement an den Betten oder dem Schreibtisch. Neben einer Sitzecke und Schränken gibt es auch eine Schlafcouch, damit die Angehörigen auch im Zimmer des Hospizgastes übernachten können.

 

Was verstehen Sie unter „echten Materialien“?

Damit meine ich zum Beispiel, dass wir echtes Holz verbauen und nichts in Holzoptik. Die Gestaltung im Innen- und Außenraum wird die Grundelemente aufgreifen, wir planen einen Brunnen im Innenhof und einen Kamin im Gemeinschaftsraum. Die Innenarchitektur ist noch in Planung und es ist gut und wichtig, dass wir hierfür noch etwas Zeit haben. Denn das Innenraumkonzept macht ganz wesentlich die Atmosphäre aus.

 

Das Gespräch führte Nina Burkhardt am 29.9.2015

 

 

 

 

 

 

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